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Es war keine schöne Zeit, die 30er Jahre in Österreich. Arbeitslosigkeit, sozialer Unfrieden, innerpolitische Auseinandersetzungen führten zur Auflösung der Demokratie. Dann der Gipfel der Ereignisse, „ die Befreiung Österreichs“ „durch die braunen/brüllenden Horden des Adolf Hitler 1938“. Ein ganz neues Vokabular lernten wir kennen, die "Nürnberger Rassengesetze" zur Reinhaltung der „Arischen Rasse". Von da an wusste auch ich, dass ich zwar einen „rein arischen Vater“ hatte, aber meine Mutter und somit auch ich konnten den Nürnberger Rassengesetzen nicht entsprechen, den „Ariernachweis" nicht erbringen und waren somit, zum Gaudium des Pöbels, zu Menschen zweiter Klasse. Grundrechtliche Grenzen wurden ganz einfach überschritten. Dies hatte für unsere Familie weit reichende Konsequenzen. Nichtarier durften keine höhere Schule besuchen. Ich musste das Gymnasium verlassen und wurde zurück in die Hauptschule versetzt. Menschen, mit denen wir jahrelang gute Kontakte pflegten, zogen sich von uns zurück, und erinnerten sich erst knapp vor dem endgültigen Zusammenbruch des „dritten Reiches“ das ewig dauern sollte, wieder an die „alte/gute Freundschaft“. Die GESTAPO stattete uns Überraschungsbesuche ab. Bei jeder Gelegenheit wurde meinem Vater nahe gelegt, sich doch von meiner Mutter scheiden zu lassen, um sie und mich „abschieben“ zu können, was Gott sei Dank durch die konsequente Haltung meines Vaters nicht geschah.
1944 bis 1947 absolvierte ich eine Lehre als Industriekaufmann. 1945 / 1946 war ein furchtbar kalter Winter. Im - durch Bombenangriffe der Alliierten - völlig zerstörten Wien plagten die Menschen Hunger und Kälte. Die meisten Fenster waren zerstört und wurden mit Pappe verklebt, um die Kälte einigermaßen abzuhalten.
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Nach Kriegsende musste man sich an verschiedene Dinge - wie z.B. an die Redefreiheit - wieder gewöhnen. Unter der russischen Besatzung herrschte ab 20 Uhr Ausgangsperre. Ins Büro musste ich eine dreiviertel Stunde mit hungrigem Magen zu Fuß gehen, da die öffentlichen Verkehrsmittel größtenteils zerstört waren.
Aber irgendwann kamen auch wieder schönere / bessere Zeiten. Von 1958 bis 1989 war ich in einem der bedeutendsten Österr. Ölkonzerne in der Buchhaltung, später als Hauptkassier beschäftigt. Diese Tätigkeit brachte mir innerhalb der Amtszeit von Bundespräsident Kirchschläger das „silberne Verdienstzeichen“ für besondere Verdienste um die Republik Österreich in der verstaatlichten Industrie ein.
Auf Grund einer hochgradigen Lungenerkrankung lebe ich seit dem 1. August im Kolpinghaus im Bereich „Betreutes Wohnen“ und fühle mich hier sehr wohl und geborgen.
Oskar Holy
Bewohner im Betreuten Wohnen
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