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Mehr als nur ein Wort - Abteilung "Lebensqualität"

Dezember 2010

Sorge um das Wohlergehen: Ein Blick auf die vielfältigen Aufgaben der Abteilung „Lebensqualität“.

Von Daniela Balham und Isabella König

Glück ist eine relative Sache: Für den einen ist es ein Lottosechser, für andere ist es beispielsweise ein Ausflug in den Wiener Prater. Zwar wirbeln die BewohnerInnen des Kolpinghauses „Gemein-sam Leben“ nicht mehr mit der Hochschaubahn durch die Lüfte oder riskieren ein Fahrt mit der Geisterbahn, und sie schauen sich auch das Riesenrad lieber von unten an, doch ihre Begeisterung steht jener der jungen Praterbesucher trotzdem um nichts nach: Unsere Frau Kostevc (90) konnte kaum glauben, dass sie „noch einmal hierher kommen würde“ und unser Herr Bartosch (86) fühlte sich gar wie „in einem Traum“.

Besonderes Anliegen: Ob nach Schönbrunn, in den Prater oder auf den Christkindlmarkt: Ausflüge zählen für fast alle unserer BewohnerInnen zu den absoluten Höhepunkten des Jahres – so wie unsere Muttertagsfeier oder unsere Geburtstagsfeste, zu denen selbstverständlich immer auch Verwandte und Freunde eingeladen sind. Ein 90 oder gar 100-Jahr-Jubiläum besonders schön zu gestalten, das ist allen MitarbeiterInnen unseres Hauses ein ganz besonderes Anliegen.

Gibt es bei derartigen Anlässen Sonderwünsche, dann ist unser Seniorenbetreuer Robert zur Stelle: Wünscht sich eine Jubilarin statt Kaffe und Kuchen ein paar Würstel oder ein Jubilar ein Glas kühles Bier – kein Problem, im Handumdrehn steht alles auf dem Tisch.

Es beginnt im Alltag: Doch Lebensqualität orientiert sich nicht nur an den großen Ereignissen, sie beginnt mit dem Wohlbefinden im Alltag – mit einem Lächeln, mit einer freundlichen Begrüßung, mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Da sind nicht zuletzt unsere PraktikantInnen gefragt: Sie spielen mit den BewohnerInnen „Mensch ärgere dich nicht“, erledigen deren Einkäufe, begleiten sie in den Park. Der ist nicht nur wegen Sonne und frischer Luft sehr beliebt: Viele unserer SeniorInnen genießen es stundenlang die Kinder am Spielplatz zu beobachten – auch das kann zum Erlebnis werden.

Bei der Planung, Abstimmung und Organisation dieser Aktivitäten sind

natürlich in erster Linie wir Mitarbeiterinnen des Bereichs „Lebensqualität“ gefordert. Das beginnt schon beim Einzug: Neue BewohnerInnen werden von uns – hier ist speziell unsere Rezeptionistin, Carolina Boyer, zu erwähnen – im Eingangsbereich empfangen und auf die Station begleitet. Da ist oft viel Einfühlungsvermögen gefragt, gilt es doch, gleich von Anfang an mögliche Ängste zu nehmen.

Aller Anfang ist schwer: Für das Einleben in der ungewohnten Umgebung gibt es in den ersten Wochen daher eine spezielle Betreuung. Schrittweise werden die Wege im Haus abgegangen; es kommt zu langen Unterhaltungen, in denen Anliegen, Wünsche, Sorgen, Befürchtungen und Freuden besprochen werden können; Aktivitäten werden vorgestellt und geplant. Wichtig ist es auch, den „Neuen“ alle und jeden vorzustellen – von den Nachbarn bis zu den Praktikantinnen.

Darüber hinaus fühlt sich die Abteilung „Lebensqualität“ mehr oder weniger für alles zuständig, was den Bereich der Pflege ergänzt und darüber hinaus geht. Ganz individuell werden die Wünsche, Sorgen und Befindlichkeiten unserer Hausbewohnerinnen und Hausbewohner ernst genommen und je nach Bedarf „verarbeitet“. Die Palette reicht vom Aufladen von Handys über Begleitung bei Friedhofsbesuchen bis zum Ausdrucken der Bilder von der letzten Geburtstagsfeier.

Viele Herzen und Hände: Aber unser „Lebensqualitäts“-Team besteht nicht nur aus uns angestellten Mitarbeiterinnen. Da gibt es unter anderem noch drei speziell ausgebildete Seniorenbetreuer, die jeweils einen Nachmittag pro Woche auf unsere Stationen kommen, um den BewohnerInnen den Tag angenehmer und abwechslungsreicher zu gestalten. Sie reden, hören zu, ermuntern, trösten, lesen vor oder sind einfach nur da. Dafür steht natürlich auch unser „Hauspfarrer“, Präses Ludwig Zack, zur Verfügung, der bei der Seelsorge von Kaplan Lyubomyr Dutka und Pastoralassistent Christoph Langer unterstützt wird.

Ganz besonders zu erwähnen sind außerdem unsere zahlreichen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die von der Bastelgruppe bis zur Singstunde viele Tätigkeiten übernehmen. Sie bringen Bewohner zum Gottesdienst, begrüßen Besucher und Angehörige am Empfang, begleiten uns zu Veranstaltungen und Ausflügen – und das alles in ihrer eigenen Freizeit. Dafür an dieser Stelle im Namen aller ein großes Dankeschön!

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, „Lebensqualität“ ist mehr als nur ein Wort – und auch mehr als eine Abteilung. Lebensqualität ist auf viele Hände, Köpfe und Herzen angewiesen. Und das ist gut so, denn wir leisten einen wichtigen Beitrag zu einer schönen, großen Aufgabe: die Begleitung und Unterstützung der persönlichen Lebensgestaltung alter Menschen.

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