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Zum 100. Geburtstag von Frau Tomrle

Aus dem Leben
Frau Maria Tomrle wurde 1907 als älteste Tochter eines Schuhmachermeisters in Wien Alsergrund, wo die Eltern einen Schuhmacherwerkstatt betrieben, geboren. Sie erlebte mit ihren beiden jüngeren Geschwistern eine glückliche Kindheit.

In der Volksschulzeit machte sie Bekanntschaft mit dem Ausland. Sie wurde, wie viele Kinder zu dieser Kriegszeit, auf Erholung nach Holland geschickt, wo sie in eine Gastfamilie aufgenommen wurde, die zur Wegbegleitern ihres ganzen späteren Lebens wurde. Bis heute gibt es Briefkontakt mit den Freunden aus Axel.

Nach der Volksschule machte sie eine Lehre als Näherin bei der Familie Schwarz, bei der sie bis zu ihrer Heirat blieb. Mit Nadel und Faden konnte sie sich auch in schlechten Zeiten immer ein Körberlgeld verdienen, z.B. als viele Menschen arbeitslos waren.

Mit 35 Jahren lernte sie ihren Mann kennen, einen Witwer mit einer Boxerhündin, gemeinsam bezogen sie eine Wohnung in Wien Währing. Seine erste Frau ist jung verstorben. Bald darauf wurde ihr Sohn Heinz geboren. Von da an ist sie zuhause geblieben und hat sich um die Familie und die Hündin gekümmert, die irgendwann einmal 5 Junge zur Welt brachte. Somit hat sie immer Arbeit gehabt.

Für die Verwandtschaft, die oft zu Besuch kam, hat sie ständig Garderoben ändern und schneidern müssen. Bis vor 5 Jahren hat Frau Tomrle regelmäßig genäht.

Ihr Mann war von Beruf Dreher und hat immer gut verdient. Am Abend hat er sich als Ziehharmonikaspieler beim Heurigen zusätzlich Geld verdient. Sie führten eine gute Ehe; Verdrießlichkeiten gab es selten. Er ist im 66. Lebensjahr verstorben.

Urlaube gab es auch in ihrem Leben: 40 Jahre lang ist sie zuerst gemeinsam mit der Familie, später dann alleine immer den ganzen September in die Bucklige Welt zum Schwammerlsuchen gefahren.

Als die schönste Zeit in ihrem Leben bezeichnet sie jene, als ihre Schwester noch da war, denn da hat sie immer jemanden zum Reden gehabt. Leider ist sie bereits verstorben.

Seit mittlerweile 2 Jahren lebt sie im Kolpinghaus und blüht - laut Aussagen ihres Sohnes - immer mehr auf. Kein Tag vergeht, an dem sie nicht an irgendeinem Kurs teilnimmt oder sich mit anderen BewohnerInnen trifft. Im März feierte Frau Tomrle ihren 100. Geburtstag. Ein großartiges Jubiläum, das gebührend im Haus und in der Verwandtschaft gefeiert worden war.

Marion Windhager

Text zum Foto: Frau Tomrle feiert Ihren 100. Geburtstag mit der Bezirksvorsteherin Frau Hermine Mospointner und Prof. KR Ludwig Zack.

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