Obst und Schokolade

Wo Menschen aller Generationen ohne Vorurteile Tür an Tür zusammenleben, entstehen Freundschaften zwischen Jung und Alt fast wie von selbst. Unsere Mutter-Kind-Einrichtung („MUKI“) ist dafür das beste Beispiel. Von Isolde Arzt

„Schau, da musst du sie hineinstecken!“ – Vorsichtig nimmt die kleine Natascha die Hände der alten Dame und führt sie zu jener Stelle im Beet, an der aus dem zarten Setzling, das die beiden mit vereinten Kräften in die Erde pflanzen, einmal eine schöne Blume werden soll.

Seit einiger Zeit wird auf einer unserer Terrassen gemeinsam gegärtnert: Jung und Alt wühlen in der Erde, säen, jäten und ernten. Gemeinsame Aktivitäten gibt es viele in unserem Kolpinghaus, das Gartenprojekt, von dem hier die Rede ist, wird von den Mitarbeitern des Kinderbereiches im MUKI und von der Lebensqualität organisiert und begleitet. 

Begegnungen zwischen unseren älteren und unseren jüngsten Hausbewohnern finden ständig statt: ungeplant, zufällig, nebenbei – in unserem Kolpinghaus wohnt man nicht nur Tür an Tür, hier lebt man auch gemeinsam. Für die MUKI Kinder ist es daher zu einer Selbstverständlichkeit geworden, neben vielen „Omas und Opas“ aufzuwachsen.

„Berührungsängste haben die Kinder eigentlich kaum“, schildert Nicole Stalder, die Kinderbetreuerin im MUKI Wien 10, ihre Erfahrungen. Vielmehr gehen die Kinder mit einer natürlichen Offenheit auf die alten Menschen zu, von der sich so mancher Erwachsener etwas abschauen könnte. Sollten manche Kinder anfänglich doch noch ein wenig Scheu empfinden, weil ihnen der Umgang mit Alter und Gebrechlichkeit noch nicht so vertraut ist, verlieren sie diese sehr schnell und genießen bald die Aufmerksamkeit, die sie von den Senioren bekommen.

Wie z. B. von Frau Mraz, die unsere Kleinen mehr als alles andere liebt und sich über jede Begegnung mit ihnen freut. „Schau, da hab ich Schokolade für euch!“, pflegt sie dann zu sagen und eine Packung Katzenzungen zu verschenken. Den Kindern schmeckt es, und auch sie lassen es an Fürsorglichkeit nicht fehlen: Da schiebt die kleine Nisa eine alte Dame im Rollstuhl, damit diese „ein bisschen schneller ist“; da schnappt sich ihre Freundin Natascha bei einem Fest eine ältere Bewohnerin an der Hand und beginnt mit ihr ausgelassen zu tanzen. Die Dame ist sehr betagt, manchmal ein wenig verwirrt und das Sprechen fällt ihr schon schwer. Natascha ist das egal. Sie „wirbelt“ mit ihr über das Parkett und beide strahlen über das ganze Gesicht. Worte braucht es da keine mehr.

Wenn sich ältere Bewohner in den Bereich des MUKI verirren, was nicht selten vorkommt, und nicht mehr wissen wohin, dann nehmen unsere Kinder sie an der Hand und begleiten sie mit den Worten, „Wir werden schon herausfinden, wo du wohnst!“, auf dem Heimweg zurück auf ihr Stockwerk.

Gemeinsam Ball spielen, zeichnen, basteln, Obstsalat machen: Dabei geht es nicht darum, wer etwas noch nicht oder nicht mehr kann, auch das Ergebnis ist nebensächlich. Dabei geht es um das Miteinander, um das Aufeinandertreffen in völlig verschiedenen Lebensphasen. „Das waren noch Zeiten, als wir so jung waren“, schmunzeln bei derartigen Begegnungen so manche älteren Bewohner und denken lächelnd an ihre Jugend zurück.

 
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Das Kolpinghaus „Gemeinsam leben“ Wien-Leopoldstadt (Stationäre Pflege und betreutes Wohnen) und die Mutter-Kind-Einrichtung (MUKI) werden gefördert aus Mitteln der Stadt Wien („Fonds Soziales Wien“)